ARC 130/31 - Reaktionen der Presse

" Sadly he did not know Beethoven personally, and all I hear from the six sonatas issued by archiphon is a passé violinist who can hardly keep up with an excellent pianist and who is so intent on trying to play in tune that he has no energy left over for interpreting the music. This set comes with an immense apparatus of notes, purporting to tell us that only Kolisch knew the secret of Beethoven interpretation."

Tully Potter, Classcal Record Collector, autumn 2003

"Störend ist einzig ein Text  im Booklet (Music&Arts CD 1045) von Tully Potter, der wohl historisch informiert, dann allerdings zu künstlerischen Urteilen über Aufnahmen fortschreitet, die beim Konkurrenten archiphon  erschienen sind, und darin dem künstlerischen Ruf Kolischs Schaden zuzufügen geeignet ist. 
Es dürfte fruchtlos sein, über den "Ton" des Geigers im Herbst seiner Karriere zu debattieren. Aber auf die Klarheit der Darstellung, die Vielfalt der geigerischen Mittel, den Farbenreichtum, die artikulatorischen Finessen, die Ausdrucksdifferenzierung, die dynamische Skala, sowie die Kunst des Begleitens, die Kolisch nach wie vor uneingeschränkt zu Gebote stehen, möchte ich doch nachdrücklich hinweisen... Da die Interpretationen gleich mehrfach vom Gewohnten abstechen, empfiehlt es sich vielleicht, auch noch ein zweites Mal hinzuhören."

Reinhard Kapp, ÖMZ 6/2004

*Es handelt sich bei dieser Interpretation um ein Dokument, etwa im Sinne Walter Benjamins. Ein ein Dokument, so heißt es bei ihm, dient als Lehrstück. Und vor Dokumenten wird ein Publikum erzogen, wobei hier Erziehung lehrstückhaft quasi mehrdimensional vollzogen wird: Im Vordergrund, und billig kritisierbar, die eher unstete Tonqualität der Geige, wie sie freilich in Kauf und - warum nicht- gar als Exerzitium genommen werden mag dahingehend, dass jeder Wohlklang ohne Widerstand, den wir gewöhnt sind und mit dem wir gewöhnlich verwöhnt werden, nicht alles ist. Aufmerksamkeit wäre demnach gegen den Klang oder durch ihn hindurch auf die Lektüre bzw. Interpretation des Textes zu lenken. Und das ist aller Mühen wert...  
Die polyphone Ausleuchtung der Harmonie, die üblicherweise gerne auf der Strecke bleibt, hier wird sie Ereignis - Symptom einer insgesamt nicht auf Harmonisierung, sondern Charakterisierung angelegten Interpretation. Überhaupt lassen Klarheit und Deutlichkeit der Darstellung nichts zu wünschen übrig, bewähren sich Artikulation, Phrasierung, dynamische Differenzierung. Bemerkenswert schließlich das wohlabgewogene Verhältnis der Instrumente zueinander, Zeugnis gebend für eine Kunst und Kultur des Aufeinander-Hörens und Einander-Begleitens.
'Ein Dokument überwältigt durch Überraschen', heißt es in Benjamins Antisnobisten-Thesen. In diesem Sinne: wohlan! "

Elvira Seiwert, Südwestrundfunk, 15.10.2004

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